Ein Gespräch mit Michael Deck, Geschäftsführer der Tiedge GmbH, im Kingdom-Entrepreneurship-Podcast. Wie aus einem ganz normalen Handwerksbetrieb für Fenster, Türen und Rollläden eine „Kingdom Company" wird – ein Unternehmen, das zuerst Gott dienen und für Menschen eine Wohnstätte sein will.
Die Tiedge GmbH sitzt in Großamtsleben bei Magdeburg. Ursprünglich 1947 als Schreinerei gegründet, später Fensterbaubetrieb, führt Michael Deck das Unternehmen seit 2006 in dritter Generation – heute als Dienstleister für die Reparatur von Fenstern, Türen und Rollläden sowie für Smart-Home-Steuerung (als erstes Smart-Home-Haus Deutschlands sogar preisgekrönt).
Den Begriff lernte Michael Deck 2007 auf einer christlichen Unternehmerreise in den USA kennen – wo er sich auch bekehrte. Drei bis fünf Jahre rang er um eine eigene Definition. Leitstern wurde Matthäus 6,33: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes …" Das Wort „zuerst" wurde entscheidend.
Eine Kingdom Company ist ein Unternehmen, das in seinem Tun zuerst Gott verherrlicht und seine Ziele sichtbar macht. Konkret heißt das für Tiedge: eine Wohnstätte Gottes bauen, in der er sich zuerst wohlfühlt – und in der sich dann auch Mitarbeiter, Kunden und alle Beteiligten wohlfühlen.
Die Leitfragen am Anfang waren nicht „Was ist mein Ziel?", sondern: „Herr, was ist dein Ziel mit diesem Unternehmen?" – und: „Wie sähe ein Unternehmen aus, in dem sich Gott und wir geborgen und glücklich fühlen?"
Auf dem Gelände stehen drei Gebäude: ein Wohnraum, ein stiller Raum (Gebetsraum) und Büro mit Werkstatt. Am Eingang ist in Naturstein Psalm 103,2 eingraviert: „Lobe den Herrn und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat." Der Slogan: „Herzlichkeit erleben."
Wichtiger als plakative Zeichen ist Michael Deck die Spürbarkeit durch Personen: handgeschriebene Geburtstagskarten mit Bibelspruch, kleine Sprüche auf Rechnungen und Angeboten, ein Friedensgebet auf der Website. „Hinweisschilder auf Gott" – dezent, nicht angeleuchtet. Auch Nicht-Christen schreiben: „Bei Ihnen spürt man, dass etwas anders ist."
Gemeinsam mit den Mitarbeitern erarbeitet – ganzheitlich, ohne Rangfolge. Nur wenn alle drei zugleich gelingen, wächst die Gemeinschaft „intrinsisch stark wie eine Familie" und wird gegen äußere Stöße widerstandsfähig.
Kein Gewinnmaximieren – aber profitabel genug, um die Vision zu verwirklichen und über Generationen weiterzugeben. Das Unternehmen ist unverkäuflich.
Ursprünglich „Bankenunabhängigkeit" – heraus aus dem Prinzip Mammon. Danach: unabhängig von den saisonalen Höhen und Tiefen der Branche.
Der Wunsch der Mitarbeiter selbst: Sicherheit und ein Ort, an den man gerne zur Arbeit geht – ein Leben lang.
Statt jeden Auftrag zu nehmen, definierte das Team ein Wunschkunden-Profil und siebte konsequent aus – auf rund 3.500 Privatkunden. Der Umsatz verteilt sich heute breit, statt an einzelnen Großkunden zu hängen; ein Forderungsausfall pro Jahr ist locker verkraftbar.
„Es geht nicht nur darum, eine gute Leistung zu erbringen – es muss zu unserer Kultur passen."
Ein A-Kunde mit 25–30 % Umsatzanteil wollte einmal privat „ohne Rechnung" bezahlen. Michael Deck lehnte kategorisch ab – trotz schlafloser Nächte und obwohl der Kunde tatsächlich abwanderte. Heute ist das eigentliche „Problem" ein anderes: Wegen Kapazitätsgrenzen können kaum noch neue Kunden aufgenommen werden.
Leitprinzip ist die Subsidiarität: Ein Problem soll dort gelöst werden, wo es entsteht. Mitarbeiter dürfen Fehler machen, müssen aber selbst lösen und sich notfalls Hilfe holen. Der Chef ist die allerletzte Instanz. Ziel des (vergriffenen) Buches „Schaff die Chefs ab": dem Chef so viel Verantwortung zu nehmen, dass er kaum noch eingreifen muss.
Beispiel Fahrzeugkauf: Mitarbeiter bekommen ein Budget und bestellen ihr Fahrzeug selbst beim Autohaus – Deck unterschreibt nur den Vertrag. Verantwortungsbereiche (Hallensauberkeit, Fahrzeugbestückung, Lagerhaltung) sind klar verteilt.
Bei Tiedge herrscht Transparenz pur: Jeder hat einen Schlüssel, jeder kennt die Gehälter, Zahlen und Kontostände. „Die wollen es nur gar nicht mehr alles wissen." Einen Nachteil daraus hat Michael Deck nie erlebt – und falls doch, nähme er es aus Gottes Hand. Als willkommene Folge (nicht als Ziel): nahezu null Fluktuation und kaum Krankheitsstände.
Nach seiner Bekehrung schloss Michael Deck – ganz im Sinne des „ehrbaren Kaufmanns" – einen schriftlichen Vertrag mit Gott, mit Zeugen: Leben, Gaben, Ressourcen und künftiges Vermögen überschrieben. Er versteht sich nur als Verwalter.
Das Unternehmen ist für ihn ein Prüfungsraum: Vor einigen Jahren gab es ein finanziell starkes Übernahmeangebot. Zwei, drei Nächte sei er schwach gewesen – seine Frau hielt fest: „unverkäuflich". Offen bleibt das Nachfolge-Problem: Wie sichert man, dass künftige Verwalter den Betrieb nicht verkaufen, sondern dieses Prinzip weiterleben?
Statt klassischer Felder (Produkt, Mission, Kunde) stellt Michael Decks „heiliges Geschäftsmodell" tiefere Fragen:
Statt Mission Statement: Welcher Ruf lässt mich nicht los? Antwort: auf Gott hören (5. Mose 6,5). Darum der stille Raum und tägliche Kontemplation. Bei wichtigen Entscheidungen: den Lärm verlassen, in die Stille gehen.
Statt „Was will der Markt?": Welche Gabe ist uns anvertraut? Das gemeinsame Haupttalent war Freundlichkeit. Aus den kombinierten Talenten entstand das Geschäftsmodell: „pünktlich, sauber, mit Festpreisgarantie".
Die schwerste Frage. Antwort über die eigene Kinderlosigkeit: „Eure Kinder sind eure Mitarbeiter." Dienen – wie Jesus – auch denen, die nichts zurückgeben können.
Worte haben Macht. Wer Menschen als Kosten verbucht, behandelt sie in der Krise zuerst als Sparposten. Deshalb ersetzte Michael Deck in der Betriebswirtschaftlichen Auswertung konsequent die Begriffe – „Personalkosten" → „Mitarbeitereinkommen", „Abschreibung" → „Werteverzehr" – und unterscheidet Wertbildung (die Arbeit der Mitarbeiter) von Wertschöpfung.
„Wenn man Menschen als Kosten ansieht, läuft etwas grundlegend falsch in unserem Wirtschaftsdenken."
Vorbild war der US-Hersteller Walker (Rasenmäher): lebenslange Arbeitsplätze, Produktion „auf Halde" auch ohne Aufträge – wertbildende Arbeit bleibt wichtig, selbst wenn sie noch nicht verkauft ist. Die Zahl unten ändert sich nicht sofort – aber die Haltung verändert Verhalten und damit langfristig das Ergebnis.
Über die gemeinnützige Impact4Entrepreneurship gGmbH wollen christliche Unternehmer das Erlernte multiplizieren – für junge Gründer, Schüler und Studenten, an der Schnittstelle von Ethik, Glaube und Wirtschaft. Sein Rat an die Jungen:
„Bring nicht Gott dein Business, um erfolgreich zu sein – sondern bring dein Business vor Gott, um wahr zu bleiben."
„Lasst das Feuer in euch, das Gott in euch gelegt hat, größer werden. Geht euren Impulsen nach – mit Gott zusammen. Es ist nicht immer schön, aber geht mit Freude daran."
Dankbar nicht für das Leid, sondern für das, was man im Rückblick erkennt – was Gott einen lehren wollte. Genau deshalb seine Antwort: „Ich würde nichts anders machen."
Eine Kingdom Company entsteht nicht aus einer Blaupause, sondern aus der täglichen Begegnung mit Gott – „bring dein Business vor Gott, um wahr zu bleiben."