In diesem Gespräch erklärt der Passionistenpater Dr. Anton Lässer, warum die Stille kein Luxus, sondern eine Lebensnotwendigkeit für den Glauben und die seelische Gesundheit ist. Er zeigt, wie wir Gott im eigenen Herzen begegnen können, was uns heute daran hindert – und wie sich das stille Gebet ganz konkret einüben lässt. Diese Zusammenfassung bündelt die Kernaussagen für den Kurseinsatz.
Wir leben in einer Zeit, in der wir „so zugemüllt" werden, dass existentielle Fragen gar nicht mehr ins Bewusstsein dringen. Die ständige Aktivität und Reizüberflutung hält uns davon ab, im eigenen Herzen Gott und uns selbst zu begegnen. Pater Anton lädt dazu ein, sich bewusst Zeit für die Stille zu nehmen – denn dort, im Innersten, wartet eine Person auf uns: Jesus Christus, nicht als Fiktion, sondern als lebendiges Gegenüber.
Der Mensch ist weit mehr, als er nach außen kommuniziert oder leistet. Nur in der Stille spürt er in die Tiefe seines Seins hinein und kann hören, was sich im Un- und Unterbewussten abgelagert hat.
Das christliche Menschenbild: Wir sind von Gott geschaffen und in ihm vollendet. Durch die Taufe sind wir „bewohnt" – er ist da. Die Frage ist nur: Wie oft sind wir beim Herrn, der in uns lebt?
Wie eine Ehe nur dann in die Tiefe wächst, wenn man auch allein und ungestört Zeit miteinander verbringt, so braucht auch die Gottesbeziehung Zeiten der Stille – sonst bleibt sie ein äußerliches Tun.
„Ich habe dich überall in der Welt gesucht. Du warst in meinem Herzen, aber ich war nicht zu Hause."
Hl. Augustinus
„Mit allen Formen des Gebetes kann die Sünde koexistieren – aber nicht mit dem inneren Gebet, nicht mit dieser inneren Zweisamkeit."
Hl. Alfons Maria von Liguori
„Wenn du betest, mach es nicht wie die Heiden, die meinen, sie müssten viele Worte machen. Geh in dein Zimmer, schließ die Tür und sprich zu Gott, deinem Vater."
vgl. Matthäus 6
Unsere Vorfahren hatten zwangsläufig stille Zeiten – lange Wege zu Fuß, Raum zum Nachdenken und Ordnen des Erlebten. Heute füllen moderne Medien jede Lücke. Diese verlorene „Verbindung zur Tiefe des eigenen Seins" sieht Pater Anton als einen Mitgrund für die Zunahme psychischer Belastungen:
Wer noch keine Erfahrung hat, sollte nicht einfach „eine halbe Stunde stillsitzen" – das überfordert. Besser ist es, mit einem Hilfsmittel zu beginnen und die Übung dem eigenen Charakter und Temperament anzupassen:
20–30 Minuten: eine Passage der Heiligen Schrift lesen, darüber nachdenken, sich im Licht des Gelesenen betrachten – und von dort ins Gebet übergehen.
In Gemeinschaft, in der man zur stillen Anbetung hingeführt wird, fällt der Einstieg oft leichter.
Eine halbe Stunde im Wald – ohne Begleitung. In sich hineinhören, sich Gott vorstellen und beides verbinden.
„Den Esel anbinden": Auch wenn es zunächst nichts zu bringen scheint – bleib da. Schenke die Zeit deinem Gott, ob du ihn spürst oder nicht. Er lässt es nicht unbeantwortet.
Aus eigener Erfahrung berichtet Pater Anton: In Situationen völliger Überforderung kam er aus der Stille oft nicht mit einer fertigen Lösung zurück – aber mit einem ruhigen, sicheren Herzen und der Gewissheit, dass die Lösung zur rechten Zeit kommen wird. Was wächst, ist eine „übernatürliche Hoffnung": das Fundament, dass Gottes Liebe, Allmacht und Güte tragen.
„Sucht zuerst das Reich Gottes – alles andere wird euch dazugegeben." Im griechischen Urtext: ekbalein – es wird euch geradezu nachgeworfen.
vgl. Matthäus 6,33
„Jesus ist keine Fiktion. Er ist eine Person, die auf dich wartet –
und dich einlädt, in der Stille zu ihm zu kommen."