Vorstandsvorsitzender der FBG und Unternehmer aus der Praxis (gründete u. a. die Spielwaren-Gruppe „spielemax“, später Verkauf/Exit). Gründer zahlreicher ehrenamtlicher Projekte, u. a. „Haus der guten Taten“ in Berlin.
Vollblut-Unternehmer (Jahrgang 1974). Hat über 40 Firmen initiiert bzw. gegründet und mehr als 3.000 Unternehmer beraten – spezialisiert auf Gründung, Finanzierung und den Schritt in die Selbstständigkeit.
Der Workshop verbindet zwei Perspektiven auf dieselbe Frage: Wie sieht ein Unternehmen aus, das nach biblischen Grundsätzen geführt wird – und wann lohnt sich der Schritt in die Selbstständigkeit wirklich? Wilfried Franz beleuchtet die geistliche Grundlage (Haltung, Motivation, Kriterien einer „Firma auf biblischer Grundlage“), Daniel Schäfer den fachlichen Teil (Unternehmensformen, Tragfähigkeit, Altersvorsorge und der wichtigste Erfolgsfaktor: die eigene Persönlichkeit).
Am Anfang steht die Frage: Ist der Unternehmer offen für einen Paradigmenwechsel? Gemeint ist eine echte Veränderung der Denkweise – weg vom alten Denken, hin zum Denken in Gottes Art.
„Lasst euch von Gott durch Veränderung eurer Denkweise in neue Menschen verwandeln.“ (Römer 12,1–2)
Eine Firma wird durch ihre Führungskräfte geprägt. Sind diese transformiert, ist ihr wichtigster Wunsch, Gott durch die Arbeit zu verherrlichen – über Profitabilität, Kundenzufriedenheit und Wachstum hinaus. Der Unternehmer versteht sich dann als Verwalter der ihm anvertrauten Begabungen, Kompetenzen und Ressourcen, deren eigentlicher Eigentümer Gott ist.
Diese Kriterien sind kein Gesetz, sondern eine Orientierung – entwickelt u. a. mit Blick auf die weltweite „Kingdom-Company“-Bewegung.
Alles beginnt mit dem „Warum“. Idealerweise ist die Berufungs- oder zumindest die Sinnfrage geklärt. Leitfrage: Wem will ich dienen – Gott oder dem Mammon („ich bin dein Versorger“)? „Ihr könnt nicht zwei Herren dienen.“
Idealerweise mind. drei Gesellschafter, von denen keiner allein die Mehrheit hält – so bekommt „der Teufel keinen Haken in Form von Macht“. Sinnbildlich hat Gott die Mehrheit. (Bei Gründung leichter umzusetzen als im Bestand.)
Geistlich und fachlich kompetent. Empfehlungen sollte man folgen – oder schriftlich begründen, warum nicht. 4-C-Ansatz: Charakter, Competence, Calling (Berufung), Context (Umfeld).
Empfehlung: rund 50 % des Gewinns nicht ausschütten, sondern für Weiterentwicklung ansparen/investieren oder spenden. Gewinne fördern zu großem Teil Projekte für das Reich Gottes.
Abhängigkeiten meiden: möglichst max. 45 % Fremdkapital (mind. 50 % Eigenkapital). Lieber auf eine Chance verzichten als in Abhängigkeit zu geraten und am Ende doch dem Mammon dienen zu müssen.
Vorsicht bei persönlichen Bürgschaften (unbegrenzte Haftung) – lieber ein Grundstück als begrenzte Sicherheit geben. Bei Startups droht spätestens in der 3. Finanzierungsrunde der Verlust der Mehrheit an Kapitalgeber.
Franz berichtet von Enttäuschungen: Viele Unternehmer wurden „beratungsresistent“, sobald das Geld überwiesen war. Und selten deckt eine Person den geistlichen und den fachlichen Bereich ab – eigentlich bräuchte man zwei Beiräte. Wer im Aufbau oder in der Krise steckt, scheut den Beirat aus Zeit- und Kostengründen – dabei wäre genau dann die Hilfe am wertvollsten.
Hinter den Kriterien steht eine persönliche Haltung. Wer erkennt, dass alles, was er ist und hat, von Gott kommt, will ein guter Verwalter sein. Franz erzählt, wie er nach einem Gebet, in dem er alles Gott übergab, kurz darauf einen teuren Schaden am neuen Auto verursachte – und dabei spürte, dass er wirklich losgelassen hatte: „Jesus, du musst ja wissen, was du mit deinem Eigentum machst.“
Wie ein Auto vier intakte Reifen braucht: Gemeinschaft, Gottes Wort, Gebet, Gehorsam. Fehlt eines, „läuft“ das Glaubensleben nicht rund.
Fragen: „Herr, was willst du mir heute sagen?“ Gebetsanliegen mit Datum notieren, um Erhörungen überhaupt zu bemerken – bis hin zu Parkplatz und verlorenem Schlüssel.
„Unser Leben ist eine Predigt, die lauter ist als viele Worte.“ Wer als Christ bekannt ist, sollte Rechnungen pünktlich zahlen und Versprechen halten – sonst wird Jesus entehrt.
Gott schenkt täglich Begegnungen. Praktisch: eine ermutigende Karte, ein gutes Magazin oder Buch dabeihaben, um im Gespräch zum Segen zu werden.
Bei wichtigen Entscheidungen wie eine Checkliste prüfen:
1. Gottes Wort – sein Wille widerspricht nie der Bibel (z. B. nie durch Lügen ans Ziel). 2. Gebet & innerer Friede – die Antwort ist Ja, Nein oder „Warte“: Friede deutet auf Ja, Störgefühle auf Nein/Warte. 3. Rat erfahrener Glaubensgeschwister. 4. Äußere Umstände – Gottes Weg fühlt sich oft an wie „müheloses Gehen durch geöffnete Türen“, nicht „mit dem Kopf durch die Wand“.
Schäfer denkt jedes Konzept als Entwicklungskurve. Ein gemeinnütziges Unternehmen kann hohe Umsätze machen und lebt doch von Spenden/Förderung; ein Startup auf dem Weg zum Milliarden-Unternehmen macht bewusst Verluste – mit kalkulierter Burn-Rate (erlaubter Geldverbrauch pro Monat) und Runway (Reichweite des Kapitals). Entscheidend ist nicht die Rechtsform, sondern: Was ist dein Auftrag, was kannst du ertragen, wo bist du hingestellt?
Gut für Spendenquittungen und Fördermittel. Nachteile: kein Gewinn entnehmbar, schwer für Investoren, keine Altersvorsorge über einen Exit.
Verkauf der eigenen Dienstleistung. Risiko: Wenn nur „kostendeckend“, bleibt kein voller Unternehmerlohn – und das Unternehmen hängt ganz an der Person.
Erwirtschaftet Überschüsse, kann investieren und skalieren. Erfordert Teamaufbau, Führungs- und kaufmännische Fähigkeit – und Persönlichkeitsentwicklung.
Von Anfang an unabhängig vom Gründer aufbauen, damit es einen Wert hat und die Altersvorsorge sichert (z. B. über einen späteren Verkauf).
Milliarden-bewertet, von Investoren getrieben: Markt schnellstmöglich erobern, „koste es, was es wolle“. Sehr hohes Risiko – im Zweifel kostet es alles (Beispiel: Ehe ging über der Arbeit zu Bruch).
Neuere Startup-Form: ebenfalls großes Potenzial, aber langsamer, werteorientiert und früh rentabel. Verbrennt weniger Menschen und Kapital – Marktanteil und Rentabilität im Fokus.
Ein häufiger Fehler: Gründer rechnen nur kostendeckend und entnehmen sich 2.000 € – das ist noch nicht tragfähig. Tragfähig heißt: Der volle Unternehmerlohn (z. B. 5.000–6.000 € inkl. Altersvorsorge) ist abgebildet. Agentur für Arbeit und KfW fördern nur, wenn ein echter Überschuss für den Unternehmerlohn bleibt.
Wer später z. B. 5.000 € „Rente“ im Monat will (60.000 €/Jahr), braucht – grob, nach Steuern und mit Inflation – ein Kapital von etwa 1,5 bis 2 Mio. €. Ein Weg dorthin: ein Unternehmen mit einem Ergebnis (EBIT) von z. B. 400.000 €, das über einen Multiplikator auf rund 2 Mio. € Unternehmenswert kommt und verkauft werden kann. Deshalb lohnt es sich, den Verkaufsfall schon bei der Gründung mitzudenken.
Aus über 3.000 Begleitungen die zentrale Erkenntnis: Derselbe Businessplan läuft bei drei Menschen völlig unterschiedlich. Es liegt nicht am Konzept, sondern an der Person. Gefragt ist eine Kapitäns-Haltung – Verantwortung für das ganze Schiff, auch im Sturm (das Gegenteil des Costa-Concordia-Kapitäns, der zuerst seine Mutter anrief und das Schiff verließ). Christen sind dafür gut geeignet, weil sie ohnehin wissen: Wir geben einmal Rechenschaft.
Die eigenen „Kraftwerke“ kennen. Stärken auf einer Skala 1–10 ehrlich einschätzen – auch, um ergänzende statt gleichartige Teampartner zu wählen.
Geistliche Gaben (z. B. apostolisch, Lehre, Hirte) und Persönlichkeitsprofile kennen – und danach Aufgaben und Rolle ausrichten.
Wer seine Bedürfnisse nicht kennt, brennt aus. Resilienz – Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit in Krisen – lässt sich trainieren.
Nach Ebbinghaus sind ~80 % schnell „verdunstet“. Neue Erkenntnisse innerhalb der 72-Stunden-Regel verankern – sonst bleibt nichts hängen.
Erfolgreiche Unternehmer lernen täglich. Wer Begriffe wie KI-Algorithmen oder UTM-Parameter nicht kennt, ist technologisch nicht mehr up to date.
Wie ein Unternehmen am Engpass arbeiten: bei der niedrigsten Zahl (dem größten Schwachpunkt) ansetzen und Bereiche nacheinander hochfahren.
Risiken & Nebenwirkungen, die unabhängig von der Unternehmensform zu beachten sind:
Wie Kampfsportler, Musiker oder Handwerker zu einem guten Meister gehen, trat Jesus als Meister auf und machte Jünger. Schäfers Empfehlung: Wer Unternehmer werden will, sucht sich aktive Vorbilder und Mentoren, geht in die Nachfolge, bezieht Lehre und praktische Einarbeitung. Antrieb ist das Gleichnis von den Talenten (Matthäus 25): Treue Verwalter multiplizieren das Anvertraute – das ist spannender als jedes Netflix.
Zum Üben lädt Schäfer halb augenzwinkernd in die Natur ein: Beim Angeln beißt „kein Fisch aus Mitleid“ – genauso kauft „kein Kunde aus Mitleid“. Die Prinzipien der Schöpfung lassen sich fast eins zu eins auf die Wirtschaft übertragen.
„An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ Wichtiger als der Lebenslauf: die Rückschau auf das tatsächlich Geleistete (Referenzen, Recherche). Und: bewusst ergänzende Menschen ins Team holen – nicht Kopien von sich selbst.
Vor allem über Vorbild und „Erlaubnis-Evangelisation“: leben wie Jesus es empfiehlt, bis Menschen von selbst fragen. Eine US-Studie ergab die höchste Produktivität bei rund 30 % Christen-Anteil mit christlicher Geschäftsleitung – entscheidend ist die Leitung, nicht die Quote.
Eine Firma nach biblischen Grundsätzen beginnt im Inneren – mit einem Paradigmenwechsel, klarer Motivation und der Haltung, Verwalter statt Eigentümer zu sein. Die fünf Kriterien (Motivation, keine Mehrheit, Beirat, Gewinnverwendung, Bankenunabhängigkeit) geben dafür einen praktischen Rahmen. Ob sich Selbstständigkeit lohnt, hängt weniger vom Konzept als von der Person ab: von Berufung, Stärken, Resilienz, Lernbereitschaft – und von guten Mentoren. Wer seine Talente treu multipliziert, geht ein Abenteuer ein, das weit mehr ist als ein Job.
„Gehört seid nicht verstanden, verstanden nicht angefangen, angefangen nicht beibehalten.“
— Es kommt auf die Transferstärke an: Setze in 72 Stunden um, was du heute erkannt hast.