Kurs · Verhandeln · Teil 1 von 3

Exzellent verhandeln

Mit Wilfried Franz, Unternehmer aus Berlin  ·  Quelle: FBG eG  ·  Teil 1  ·  ca. 12,5 Min.  ·  Zusammenfassung für den Kurs

Worum geht es?

Das Ziel der dreiteiligen Reihe ist klar formuliert: Du sollst der am besten vorbereitete Verhandlungspartner am Tisch werden. Gut vorbereitete Verhandlungen zählen zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren jedes Unternehmers. Wichtig: Diese Fähigkeit lässt sich nicht herbeigoogeln – sie entsteht durch Übung und Praxis. Tipp des Referenten: viel mitschreiben, denn man merkt sich normalerweise nur zwei bis drei Punkte.

Der Referent

Wilfried Franz

Gründer und langjähriger Vorstandsvorsitzender der spielemax AG – mit 24 Jahren bei null gestartet, 2008 mit 45 Filialen, über 800 Mitarbeitern und mehr als 100 Mio. € Jahresumsatz an einen ausländischen strategischen Investor verkauft. Seither im Bereich Social Entrepreneurship aktiv. In über 40 Unternehmerjahren führte er mehr als 1.000 Verhandlungen – als Einkäufer und Verkäufer, als Mieter und Vermieter. Diese Reihe versteht er als eine Art Vermächtnis an seine fünf Kinder.

Eine Verhandlung ist kein Gespräch

Eine Verhandlung ist kein bloßer Gedankenaustausch, sondern ein Wettstreit – teilweise sogar ein Kampf. Es geht fast immer darum, eigene Ziele gegen Einwände und Vorbehalte anderer durchzusetzen. Eine einzige schlecht geführte Verhandlung kann die Anstrengung vieler Monate zunichtemachen. Umgekehrt wächst man mit jeder erfolgreichen Verhandlung zur Führungspersönlichkeit, die immer bedeutendere „Kämpfe“ gewinnt.

Die 12 Grundsätze des Verhandelns

Das Fundament aller Verhandlungserfolge – Grundsätze, die für Wilfried Franz teils zur „normativen Kraft“ geworden sind. Auffällig: Es geht weniger um Tricks als um Charakter, Fairness und Vertrauen.

1

Bewahre dir ein gutes Gewissen

Geld und Selbstverwirklichung machen nicht glücklich. „Ein reines Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen.“ Lies über unfaire Methoden – wende sie aber nicht an, sondern erkenne sie nur. Dazu die Willensentscheidung: dankbar und zufrieden sein.

2

Bleibe bei der Wahrheit

Gehe einen geraden Weg. Erfahrene Partner erkennen an Körpersprache und Augen, wenn jemand lügt oder blufft. Wer (z. B. das Finanzamt) betrügt, schläft schlecht – und riskiert Nachzahlungen plus Strafe.

3

Sei vertrauenswürdig

Was du zusagst, hältst du unter allen Umständen ein. Vertrauen ist ein kostbares Gut und die Basis für mittel- und langfristige Partnerschaften und Kooperationen.

4

Entwickle eine positive Ausstrahlung

Aus Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit in Verbindung mit Dankbarkeit und Zufriedenheit entsteht – ganz von selbst – eine positive Ausstrahlung. Sie macht es leicht, Sympathie und Vertrauen aufzubauen.

5

Verhandle nicht ultimativ

Ultimaten haben oft erpresserischen Charakter und nutzen Macht zulasten der Schwächeren aus. Sie schaffen Verlierer – und irgendwann kommt die „Retourkutsche“.

6

Verhandle partnerorientiert

Strebe Win-win an. Beide sollen am Ende zufrieden sein. Achte darauf, dass dein Partner sein Gesicht wahrt und den Spaß am Geschäft behält – denn wer nichts verdient, hat keinen Spaß.

7

Kämpfe nicht ums letzte halbe Prozent

Eine gute, langfristige Geschäftsbeziehung ist mehr wert als ein halbes Prozent Rabatt. Sie zahlt sich aus: bevorzugte Belieferung bei Engpässen, Retouren oder „Abschriftenhilfe“ des Lieferanten.

8

Konzentriere dich auf deine Stärken

Nicht auf deine Schwächen – und verschwende keine Zeit damit, über die Stärken des Partners zu grübeln. Du hast ohnehin zu wenige Informationen, um sie richtig einzuschätzen.

9

Lass dich zeitlich nicht unter Druck setzen

Schlafe immer mindestens eine Nacht über wichtige Entscheidungen und reflektiere sie mit Menschen deines Vertrauens – etwa mit jemandem mit hoher emotionaler Intelligenz, der die richtigen Fragen stellt.

10

Höre auf deine innere Stimme

Frage dich, ob du mit der Entscheidung gut schlafen könntest. Innerer Friede heißt Ja; Unruhe oder Störgefühle heißen Nein oder „Warte“. Wer gläubig ist, fragt Gott, was aus seiner Sicht richtig ist.

11

Wer fragt, der führt

Bereite gute, zielführende Fragen vor – je mehr du redest, desto weniger erfährst du. Eine starke (pro Runde nur einmal gestellte) Frage: „Was würden Sie jetzt sagen oder tun, wenn Sie auf meinem Stuhl säßen?“

12

Bleibe deinem Partner treu

Zu unfairen Praktiken zählen scheinbar zufällige sexuelle Bekanntschaften. Lehne sie konsequent ab – nächtliche „Tête-à-têtes“ werden benutzt, um dich später unter Druck zu setzen und zu Zugeständnissen zu zwingen.

Der rote Faden

Auffällig an allen zwölf Grundsätzen: Erfolgreiches Verhandeln beruht bei Wilfried Franz nicht auf Tricks oder Härte, sondern auf Integrität, Fairness und langfristigem Beziehungsdenken. Wahrhaftigkeit, ein gutes Gewissen, Zufriedenheit und Treue sind keine „weichen“ Nebensächlichkeiten, sondern das tragende Fundament, auf dem dauerhafter geschäftlicher Erfolg aufbaut.

Ausblick: So geht die Reihe weiter

2

Teil 2 – Taktik & Vorbereitung

Sieben taktische Überlegungen für Verhandlungen sowie das Herzstück: wie du eine Verhandlung anhand von 15 Fragestellungen gründlich vorbereitest.

3

Teil 3 – Handout & Coaching

Hinweis auf ein Handout mit der kompletten Verhandlungsvorbereitung für einen Gewerbemietvertrag (100+ Seiten) sowie auf Coaching-Sessions per Zoom mit erfahrenen Unternehmern.

„Wer fragt, der führt – denn je mehr du redest, desto weniger erfährst du.“

Zusammenfassung erstellt für interne Kurszwecke · Inhaltliche Quelle: „Exzellent Verhandeln mit Wilfried Franz – Teil 1“ – FBG eG
Aufbereitet für Impact4Entrepreneurship gGmbH